Freitag, 1. Juli 2011

Strukturierte Prokrastination oder wie man gegen Kipple gewinnt.

Versuch über die Durchführung des Ordnungmachens in einem Single-Haushalt



Prokrastination, Aufschiebeverhalten, Handlungsaufschub ist eine Bezeichnung für das Verhalten von Menschen, die das Erledigen notwendiger, aber ihnen unangenehmer Dinge immer wieder verschieben. siehe:Wikipedia
Zuerst einmal: die Wirklichkeit ist nicht, sie findet statt. Und zwar im Kopf.

Dann: es gibt keine Ordnung, die sich im Gegensatz zu einem Chaos befindet. Es gibt nur Anordnung von Dingen. Manche dieser Anordnungen bezeichnen wir als chaotisch, andere als aufgeräumt. Das ist mehr eine Geschmacksfrage.

Drittens: zuhause schaut es aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hat.


Thermodynamik.


Auch wenn Physiklehrerlein Ihnen anhand eines anfangs geordneten und durch Mischen in Unordnung geratenden Kartenspiels den 2. Hauptsatz der Thermodynamik näher bringen wollen: Kinderkacke. Jede Anornung der Karten im Spiel ist gleich wahrscheinlich, nur haben wir zur "sortierten" Reihenfolge emotional eine stärkere Affinität. Das ist alles, und hat nicht das geringste mit der Thermodynamik zu tun. Ich möchte dies daher als emotionale Unordnung bezeichnen.


Ganz anders verhält es sich, wenn sich Gegenstände mit der Zeit in Einzelteile auflösen, sich zerstreuen, dekompostieren (unser Körper mit seinen Haaren, Hautschuppen und diversen Flüssigkeiten eingeschlossen) Dies ist der unumkehrbare Prozess, der in der Thermodynamik als Zeitpfeil aufleuchtet. Die Teile der zerfallenden Entitäten sind zwar auch nur anders angeordnet, aber dadurch ändert sich ihre Funktion: ich möchte dies daher als funktionale Unordnung bezeichnen.
Philip K. Dick nennt das in seinem Roman Do Androids Dream Of Electric Sheep? (verfilmt als Blade Runner, für alle, die sich schämen müssen, das nicht zu wissen) "Kipple":

No one can win against kipple, except temporarily and maybe in one spot, like in my apartment I've sort of created a stasis between the pressure of kipple and nonkipple, for the time being. But eventually I'll die or go away, and then the kipple will again take over. It's a universal principle operating throughout the universe; the entire universe is moving toward a final state of total, absolute kippleization.

Durchführung


Unordnung lässt sich aber von philosophischen Gedanken nicht im geringsten beeindrucken. Also zur Tat.

Erinnern wir uns an Punkt eins, dann wird schnell klar: der Kampf gegen Unordnung ist ein Kampf, der im Kopf stattfindet. Wenn die Einstellung nicht die Richtige ist, wird man ihn nicht gewinnen können:

Vergessen Sie Sätze wie: "Spinnweben sind etwas ganz natürliches" "übertriebene Hygiene erzeugt nur Allergien." (denken Sie: in der Natur haben Spinnen Feinde. Im Haus übernehme ich diesen Part, hehe! Und: Sie kriegen sicher keine Allergie, wenn auf den Tellern in der Spüle nicht der Schimmelpilz wuchert!).

Vergessen Sie diese klitzekleinen Dinge, die irgendwo abgebrochen sind, jetzt am Fußboden liegen und womöglich im Staubsauger landen: Sie werden sie niemals vermissen! Besorgen Sie sich größere Müllsäcke. Seien Sie nicht zärtlich zu den Möbeln und Mauerkanten, nur wer ungestüm an die Unordnung herangeht, hat eine Chance. Denken Sie Feng Shui-mäßig: alle Dinge die Ihnen beim Aufräumen in die Hände kommen und keinen Bezug mehr zu Ihrem jetzigen Leben haben (wie: Hemden, die in den 80ern modern waren, Zeitschriften die noch auf Papier gedruckt sind, Adressbücher vor dem e-mail-Zeitalter...) weg damit. So was zieht einen nur in die Vergangenheit. Machen Sie Platz für die Zukunft.

Vergessen Sie Sparsamkeit. Die Kunst, alte Joghurtbecher, Plastiktüten und Gummiringe aufzuheben, weil man sie irgendwann einmal brauchen könnte, beherrschen heute nur mehr wenige Menschen, und die sind alle über 70. Wenn Sie es versuchen, geben Sie dem Kipple nur unnötig neue Nahrung. Trennen Sie emotionales Ordnungmachen von funktionalem: versuchen Sie nicht gleichzeitig Staub zu wischen und die Bücher im Regal nach Autoren oder Genres zu ordnen. Kommen Sie nicht auf die Idee, Möbel umzustellen oder Bilder umzuhängen, während Sie Staubsaugen: Sie sind nicht multitaskingfähig.


Strukturierte Prokrastination


Nehmen Sie sich nichts vor, außer etwas Unangenehmes!

Dies ist der Königsweg zum Ordnungmachen und eine Delikatesse unter allen Selbstbetrügereien: Nehmen Sie sich etwas Unangenehmes vor (das aber nicht unbedingt genau heute erledigt werden muss). Die Kunst ist es, sich einzureden, dass dieses Unangenehme (das um einen Grad unangenehmer sein muss als das Aufräumen, also: mit einer älteren Verwandten beim Bandagisten ein Weihnachtsgeschenk aussuchen, oder das Formular für die Arbeitnehmer-Veranlagung ausfüllen) wichtiger ist, als die Wohnung in Ordnung zu bringen. (Falls heute der letzte Einkaufstag vor Weihnachten ist, oder die Frist für den Steuerausgleich abläuft, funktioniert das ganze übrigens genau so gut umgekehrt!)


Jetzt wissen Sie also, wie man es schafft, ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu sein, dem jederzeit ein(e) BesucherIn in den eigenen vier Wänden willkommen ist.

...und morgen werde ich auch bei mir zuhause aufräumen, ganz sicher!    

Donnerstag, 10. Juni 2010

Steve Midas Jobs berührt die Videotelefonie

Manche Dinge klingen wie eine Verheißung - aber es stellt sich heraus: keiner will sie haben.
Andere Dinge klingen wie etwas, das man nicht braucht - und werden für die Menschheit unverzichtbar.

Mobiltelefone und das Internet sind gängige Beispiele für den zweiten Fall: Ich glaube, kein einziger Science Fiction Autor hat vor der Durchsetzung des Internets auch nur die Idee in Erwägung gezogen, dass soetwas einmal benötigt werden wird (und ich meine Internet, nicht den großen Super-Positronen-Dingsbums, von dem man alle Informationen abrufen kann, inklusive der Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest) Und niemand von uns, die wir uns noch an die Vor-Handy-Ära erinnern können, seien wir ehrlich, hätte einen Schilling drauf gewettet, dass Handtelefone einmal jemanden außer Vertretern und Angebern interessieren würden.

Was wie eine gute Idee geklungen hat, waren hingegen diese beiden Dinge: Tablet PCs und Video-Telefonie. Schon seit Anfang der 90er Jahre wurden immer wieder Tablet PCs angekündigt (ab 2001 unter diesem Namen), die man mit Stift oder Finger auf einem Touchscreen bediente - Das klingt doch gut: Ein Ding, das ich halten kann wie ein Notizbuch, wo ich keinen Tisch und keine Maus brauche. Aber - warum auch immer - niemanden hat's interessiert. Videotelefonie: als Killerapplikation angekündigt im Zuge der UMTS-Frequenz-Versteigerung (Erinnert sich noch wer? Damals konnte der Staat noch richtig gut Geld einnehmen: allein in Deutschland 50 - in Worten Fünfzig Milliarden Euro nur für die Genehmigung, die Frequenzen benutzen zu dürfen, was ist dagegen die Griechenland Hilfe? - der IWF hat einen Kredit von 30 Milliarden € gewährt)  In jedem, wirklich jedem Science Fiction Film seit den frühen 40ern wird nur mit Bild telefoniert. Hat irgendwer selbst schon einmal ein Video-Gespräch geführt? Jedes  moderne Telefon hat vorne eine Kamera und kann Videocalls. Weiß das überhaupt jemand?

Dann kam Steve Jobs: er nannte den Tablet PC "iPad" und obwohl das Ding weniger kann als ein gängiges Telefon, rannten ihm seine Glaubensbrüder die Store-Türen ein. Keiner kanns erklären.

Und jetzt das: Steve Jobs nennt Video-Telefonie "FaceTime", tut so, als habe er grad was Großartiges erfunden und ist in seiner Hybris überzeugt, dass er es genauso wie mit allen anderen Apfel-Devotionalien schafft, es in Gold zu verwandeln. Dass das ganze nur von iPhone zu iPhone funktioniert (klar, das iPad hat ja keine Kamera ;-P und Telefone anderer Hersteller sind Häresie), wird die Apfeljünger nicht stören, sie haben ja alle die alte Netscape-Weisheit verinnerlicht:

it's not a bug, it's a feature!



Samstag, 27. März 2010

The Great 3D Swindle

Oh ja, 3D ist die Lösung, ich weiß. Aber von welchem Problem?

Zuerst: Was heißt hier 3D? Alles flach, keine 3. Dimension. Was wir heutzutage mit Avatar und Alice zu sehen bekommen, ist bestenfalls eine 3D-Simulation. Eigentlich sollte es "stereoskopische Filme" heißen, aber das klingt nach 19. Jahrhundert. Und genau so alt ist die ganze Chose auch. Das einzige, das sich geändert hat, sind die Computerprogramme, die die beiden Bilder bauen. Aber bei aller Computertechnik bleibt der 3D-Effekt so spannend wie eine 3D-Postkarte aus Mariazell. Wenn das schon toll wäre, müssten diese Dinger ja einen reißenden Absatz finden. Da sie das aber nicht tun, bleibt die Frage: wozu 3D im Film?

Schnitt

Film ist die großartigste Erfindung seit der Einführung der Schrift. Film ist viel genialer, als sich das die Brüder Lumiere einst vorstellen konnten, denn im Film werden nicht einfach bewegte Szenen eingefangen, im Film funktioniert etwas, das man eigentlich nicht erwarten konnte: Der Schnitt. Interessanterweise ist das was bei einem Filmschnitt passiert, genau die Art und Weise, wie unser Sehen funktioniert: Wir leben nicht in einem kontinuierlichen Strom eines bewegten Bildes, das in unsere Augen strömt, wir leben in Szenen.

Sakkaden

Bei jeder Augenbewegung passiert etwas unerwartetes: das Bewusstsein für das gesehene Bild wird abgeschaltet: Die Augen stehen still, wir sehen - das Bewusstsein wird abgeschaltet - die Augen bewegen sich - die Augen stehen still - das Bewusstsein wird wieder eingeschaltet. Das "Loch" dazwischen wird zum Verschwinden gebracht, indem die Erinnerung daran einfach nicht existiert. Die "Szenen" schließen nahtlos aneinander an. Wer das nicht glaubt, mache folgendes Experiment: er oder sie stelle sich vor einen Spiegel und beobachte die eigenen Augen. Man blicke sich abwechselnd ins linke und ins rechte Auge: Niemals werden wir auch nur einen kleinen Ruck der Augenbewegung erhaschen: jedes Mal, wenn sich das Auge bewegt, wird unser Bewusstsein kurz ausgeschaltet. Diese Augenbewegungen mit eingebautem "Schnitt" nennt man Sakkaden.

Unser Sehsystem hat nun die Erwartungshaltung, dass die Welt nach der Augenbewegung genau die gleiche ist wie vorher. Diese Erwartung ist so stark, dass sie z.B. verhindert, dass wir in den bekannten 5-Fehler-Suchbildern die Unterschiede schnell erkennen. Und diese Erwartungshaltung ist es auch, die bewirkt, dass wir uns nach einem Filmschnitt in der gleichen Geschichte wiederfinden, und uns nicht jedes mal neu im "Raum" orientieren müssen. (Wer kennt Lynchs Mulholland Drive? Schon einmal vor und zurückgespult und beobachtet, was nach einem unverdächtigen Schnitt plötzlich alles anders ist? Und: man bekommt es beim ersten mal nicht mit!)

Ton, Farbe, 3D

Der Schnitt ist das zentrale Element im Film, alles andere gruppiert sich zwanglos herum: Ton, Farbe, 3D. Ja, wir tendieren dazu, gesprochene Worte mit den Ohren zu hören und nicht zu lesen. Trotzdem können wir die Dialoge in einem Stummfilm auch mitlesen, weil wir sie in unserem Kopf sozusagen "hören". Wir sehen in Farbe. Wir können auch S/W sehen, das funktioniert, weil die Bildinformation: Formen, Bewegung, Bedeutungsinhalte - an einer anderen Stelle und von anderen Nervenbahnen verarbeitet werden als die Farbe. Farbe ist sozusagen ein Goodie der Evolution, mit der sie unter den Säugetieren nur uns Affen so reich beschenkt hat.

Und wir besitzen Richtungshören und stereoskopisches Sehen. Und hier liegt der Hase im Pfeffer. Beide Fähigkeiten werden heute im Kino bedient: Surround Sound hat ziemlich unaufgeregt die Multiplex-Säle durchwachsen, 3D-Bild wird wieder einmal propagiert. Beides birgt seine Tücken. Das Problem mit dem Richtungshören lässt sich leicht von guten Sound-Designern lösen. Schlechte machen dagegen gern folgenden Fehler: Das Bild schaut so aus: Person A im Zentrum, spricht, von links nähert sich nur indirekt an den Reaktionen As erkennbar, sprechend, Person B. Schnitt. Jetzt sind beide Personen zu sehen. Beide im Zentrum. Wenn der Herr Tontechniker in Szene 1 die Stimme von ganz weit links kommen lässt, ist das toll, aber was passiert dann? Schnitt. Unsere Augen denken, aha eine Sakkade. Kein Problem fürs Sehen, aber plötzlich springt der Ton der Stimme ins Zentrum. Die Ohren machen keine Sakkaden (die können wir ja auch nicht so gut bewegen). Wie gesagt, mit ein paar Tricks geht das schon. Wir sind ja Augentiere und keine Ohretiere, so wichtig sind die Richtungsinformationen dann doch wieder nicht.

Ganz anders verhält es sich mit dem stereoskopischen Sehen. Wiederum könen wir Tiefe und Entfernung auch ohne 3D-Brille sehen: Wir rennen auch mit einem Auge nicht gleich gegen jede Wand: Das Sehsystem verarbeitet verschiedene Hinweise auf den Verdächtigen "Entfernung". Hauptsächlich Perspektiven, das "Wissen" über die wahre Größe von Dingen und Menschen (niemand glaubt, dass der Typ im Hintergrund ein Mensch mit 10cm Körpergröße ist) und die Verschiebung im Blickfeld, wenn wir uns (respektive die Kamera) bewegen. Zusätzlich wertet das Sehsystem noch die leicht unterschiedlichen Blickwinkel beider Augen, die Muskelanstrengung beim Betrachten nähergelegener Objekte sowie den Fokussieraufwand der Linse aus. Diese Zusatzfeatures, die wir den eng beieinander stehenden Augen zu verdanken haben, bemerken wir im Alltag kaum: sie bleiben meist unbewusst. Was auch gut so ist, denn sonst würden wir dauernd bemängeln, dass wir immer irgendetwas doppelt sehen: fokussieren wir auf die Nähe, sind Dinge in der Entfernung doppelt, fokussieren wir auf die Entfernung, sind Dinge in der Nähe doppelt. Dass uns das nicht weiter stört, hängt auch vor allem damit zusammen, dass wir nur entweder nah oder fern scharf sehen. der Rest der Szene ist in gnädige Tiefenunschärfe gehüllt. Das ist der Punkt.

Wenn man uns im Kino 3D-Effekte aufs bebrillte Auge drückt, hat man die Wahl, Vorder- und Hintergrund scharf zu zeigen: das ist unnatürlich und irritierend. Oder: z.B. den Hintergrund unscharf zu zeigen. Wenn wir aber dann den Hintergrund ansehen wollen (weil wir zum Beispiel selbst entscheiden wollen, was wir ansehen wollen) dann bleibt er unscharf. Das ist unnatürlich und irritierend. Die einzige Möglichkeit, die uns bleibt: nur mehr ganz genau das anzusehen, das man uns vorschreibt. So will ich Kino aber nicht sehen.

Wenns nur um den 3D-Effekt geht, halte ich mich an den alten View Master

Dienstag, 4. August 2009

die Lügen dieser Welt

Unwohlsein ist ein legitimes Gefühl. Wenn man etwas Verdorbenes gegessen hat, wenn man an der Bar bis um vier Uhr früh das Wort Nein Danke wieder einmal nicht über die Lippen gebracht hat, wenn man realisiert, dass man deswegen zum Chef gerufen wird, weil der Fisch, den man vorgestern gedreht hat, doch nicht unbemerkt geblieben ist.

Unwohl kann einem auch angesichts komplexer Zusammenhänge werden, die man aus Zeit- oder Intelligenzmangel nicht durchschaut. Das ist auch legitim.

Komplex ist eigentlich alles, was mehr als ein Wort braucht, um beschrieben zu werden. Das Internet, zum Beispiel, ist auch komplex, aber nicht nur auf der Ebene der Leitungen und Computerchips und TCP/IP und DNS - Dingsbums, sondern auch wegen eines weiteren Bauteils, des sogenannten USERs.

Manche von den Usern gründen eine FaceBook-Gruppe. Wohl, weil ihnen unwohl ist.

Das Problem mit dem Veröffentlichen von Unwohlsein wegen der Komplexität von Dingen, die man aus Zeit- oder Intelligenzmangel nicht durchschaut, ist jenes: aus Zeit- oder Intelligenzmangel kann man die Hintergründe der Copy/Pasted "Fakten" auch nicht recherchieren.

Sonst wäre man vielleicht draufgekommen, dass die Geschichte aus den Aufzeichnungen des behandelnden Arztes eines Schizophrenie-Patienten stammen könnte.

Die Gruppe heißt "Energybox - Die Lügen dieser Welt" - Ein kurzer Auszug lässt die Patienten-Theorie sehr wahrscheinlich erscheinen:

Schweden hat jetzt die stärkste, größte und furchtbarste Waffe der Welt!!! In alle Haushalte wird eine sogenannte „Energybox" eingebaut. Erste Wirkungen: Viele körperliche und seelische Beschwerden bei Menschen, ungeheure Schlafstörungen, andauernder kurzer Stromausfall, Lampen explodieren, Mobilverkehr teilweise zusammengebrochen, Telefone funktionieren nicht, Stromstärke und Strahlung in der Stromleitung unglaublich gestiegen, Computer knacken furchtbar, Internet und Mailverkehr humpelt, Lampen flackern die ganze Zeit usw. Auch die El-Allergiker fallen haufenweise um und fühlen sich sterbend. Viele zeigen jetzt schon Persönlichkeitsveränderungen und andere Bewusstseinsstörungen, besonders im Bezug auf das Gedächtnis.

Die, welche über Frequenztechnik und Mikrowellen etwas wissen, können sich die anderen Möglichkeiten der Kontrolle vorstellen. Mit modifizierte ELF, ULF usw. ist es sehr leicht JEDEN Raum in 3D zu sehen, jedes Gespräch abzuhören und sogar die Gehirnwellen der Menschen zu beeinflussen.

Die, welche über Wikipedia etwas wissen, können die Symptome für Schizophrenie nachlesen:

"Für den Laien wird eine psychotische Schizophrenie zumeist an der Wahnsymptomatik erkennbar: Ein Betroffener glaubt beispielsweise, von Außerirdischen oder Geistern aus dem Jenseits beobachtet zu werden (sog. Verfolgungswahn), dass Nachbarn oder andere ihn schädigen wollen, dass er nachts im Schlaf von elektronischen Geräten (durch die Wand hindurch) bestrahlt wird, dass seine Gedanken von anderen gehört werden können oder dass er aufgrund früherer Sünden Schuld an Naturkatastrophen trage. Häufig ist auch die wahnhafte Überzeugung, dass im Kopf ein Chip oder Ähnliches implantiert sei, mit dem die Gedanken oder das Handeln kontrolliert oder sogar gesteuert würden."

Montag, 16. März 2009

das :zukunfts|institut - eine sehr gegenwärtige Betrachtung

Matthias Horx,Gründer und Inhaber des Zukunftsinstituts
Matthias Horx, Gründer und
Inhaber des Zukunftsinstituts
Eigentlich ist es ja ganz einfach mit der Zukunft:

1. Sie kommt erst und
2. Man weiß nie genau, was sie bringt.

Nichtsdestomehroderweniger gibt es ein Institut, in dem sie sozusagen geprobt wird und dann auf die Gegenwart losgelassen: bereits im Jahr 2009 strömen also all die Haupt- und Zeitwörter auf uns ein, auf die wir noch gerne bis zur Ankunft der zugehörigen Zukunft gewartet hätten.

Das Institut hat nämlich nicht nur Experten für Alles und Jedes (zum Beispiel für Business, Lifestyle, Psychologie, Demografie usf. - wie man es ja auch erwarten würde) - sondern auch und anscheinend Experten für jene Begriffe, die in der Zukunft einmal eine Bedeutung haben werden und schon jetzt einmal - zur Eingewöhnung quasi - auf uns losgelassen werden.

Da wären: Zukunftsgesellschaft, Technolution, LOHAS, Food Trends, Innovation Economy, New Leadership, Homelife, Service Design, Business Lifestyle, Kondratieff-Zyklen, Wissensarbeit, Wissenskulturen, Corporate Foresight, Innovationsmanagement, Intuitives Management, Lebensqualitätsmärkte, Megatrend „Reife“, Female Markets und nicht zuletzt: Historie der Zukunft.

Bei Vorträgen, wie: "Silver Society", lernen wir, dass Alterung ein Geschenk des Fortschritts ist (falls Sie ihre Firma "Silver Fit" machen), in "Technolution – Von Hightech zu Hightouch" erfahren wir, wie es einmal sein wird, wenn Verkäufer zum „High Touch Berater“ und „Wissensmakler“ werden. In "Future Food" hören wir, was wir essen werden, nämlich „Sential Food“, „Hand-Held-“, „Mood-“ oder „Clean-Food“.

Manchmal denke ich: die Gegenwart reicht gar nicht aus, um all die neuen Wörter zu begreifen, bevor sie in der Zukunft dem Megatrend zum Short-Term-Gedächtnis anheimfallen.


hier noch der Link: www.zukunftsinstitut.de

Sonntag, 22. Februar 2009

Bushaltestelle

Hansl Hinterhausleitner, genannt "HaHa" lenkt seinen Postbus durch die trostlose Winterlandschaft des Traisentals. Vor sich, auf einer Halterung befindet sich sein Mobiltelefon, auf dem er jetzt die Nummer seines Arbeitskollegen wählt.

"Servas Koarl!" schreit er in seine Freisprecheinrichtung, die er am Ohr trägt, "Na, i bin eh in da Oabeit, i foah grod die Trasen-Tour, weu da Gustl heit ka Zeit hot. Foahst du a grod? Jo? A, do wean mia si eh daunn in Sankt Geurgn begegnan. Na, is eh net vül los um die Zeit, i hob nua zwa Foahrgäst. Waunn i mi tummelt, bin i um Viere drinn. Is eh gscheita, wanns schnölla weitergeht, waßt, wann i vur da Zeit bei da Haltestöll vorbeifoa, stengan no net so vül Leit duart. Nua die, wos si scho a Viertlstund vorher in die Költn stölln, haha! I bin froh, dass i nimmer in der Fruah foahr, waßt eh, de gaunzn Schüler! Mochn an murds Lärm und mit die gaunzn Schultaschen is ka Plotz zum duachegeh, do muasst daunn immer umadumplärrn, und eana a Watschn aundrohn, dass a Ruah is, des hoss i. - Hoit, jetzt bin i bei ana Haltestöll vuabeigfoahrn, wo ana gwort' hätt. Najo, in ana Stund kummt eh da nächste Bus. Woart amoi, do schreit grod ana von de Foahrgäst, i muaß amoi schaun, wos der wüll!"

HH dreht sich um und raunzt dem Fahrgast in unnachahmlicher Busfahrer-Manier zu: "Wooos?" Der Fahrgast ruft nervös: "Aussteigen bitte!" "Daunn hättns drucken miassn" "Hab ich!" antwortet der Mann und zeigt auf die Anzeige, auf der groß und deutlich "Wagen hält" zu lesen ist. "Nau, jetzt is' jedenfolls zschpät, i kaunn se jo net mittn auf da Bundesstraßn aussteign lassn!" Hansl widmet sich wieder seinem Gesprächspartner: "A so a Depperter. Wo woarn ma? A jo, bei de Schüler. Waßt, i bin friara immer die Schüler-Tour gfoarn, do san immer zwa Busse hinteranaund gfoahrn, und kana wollt der erschte in Wülhelmsburg sein, weu do san immer a gaunza Haufn eingstiegen. Lauta Gymnasiastn und so - waßt eh, de wo se de Eltern fia wos bessas hoidn. Hahaha! I hobs meistns gschofft, dass i ois zweiter kumm, weu dann hot da erschte olle einsteign lossn miassn, und i bin mitn leeren Bus vuabeigfoan, des woa a Gspaß! Woart, Koarl, i muass amoil stehnbleibm, sunst motschkert der wieder, dass er aussteign wüll."

Der Fahrgast hat sich inzwischen nach vorne begeben und steht jetzt neben dem Fahrer. "Darf ich vorne aussteigen?" fragt er höflich. "Naaa, hintn is der Ausstieg." "Aber es steigt doch hier niemand ein?" "Hintn hob i gsogt!" Leise fluchend geht der Mann nach hinten und verlässt den Bus. "Jo, Koarl, bist nu do? Na, des woa der Depperte von vurher. Zerscht net drucken und daunn frech werdn. I sog da 's: Leit gibts. Mia san scho gstroft ois Bus-Schofför. Aum liabstn foar i jo in da Nocht. Oiso mitn letztn Bus um holba Achte. Von Sankt Pöttn eine noch Göblasbruck. Do san de Leit scho miad und mochn kane Spompernadln mehr. Meistns sitzt eh kana mehr drinn ob Sankt Geurgen. Aussa, er is eingschlofn, haha! Des is oiweu a Hetz, wann der aufwocht. I waß goa net wie die daunn hamkumman, geht jo erscht wieder um Sechse in da Fruah der Erschte Bus zruck! Hoit! Wos isn des jetzt? Achso, do is a Umleitung wegn de Noarn! Wos sogst? Jo, Noarn! Heit is Foschingsaumstog, do gibts in Wülhelmsburg immer den Umzug, des haßt i foa heit net durch die Stadt, sondern auf der Umfohrung weita. Sche bled, jetzt haums die Haltestöll erst vor Kurzem verlegt, heite haums es wieder weiter-verlegt. De Leit miassn se scho verorscht vurkumman, haha! I stöll mia grod vur wie ana von ana Holtestöll zur nächsten geht und überall pickt a Zettl wo draufsteht: Haltestelle verlegt. Des is wia a Schnitzljogt. Najo, jedenfolls kumman die Leit auf die Oart net rechtzeitig zur Ersatz-Holtestöll und i brauch niemaundn einsteign lossn. He! bist deppat, do steht ana mittn auf da Strossn und wachelt mit de Händ, is der wo aungrennt?"

Der Chauffeur bremst den Bus scharf, und öffnet gleichzeitig die Tür. "Hean se!" ruft er dem Mann zu, der sich anschickt in den Bus zu steigen, "Wos wolln se do?" "Einsteigen?" antwortet der gefragte. "Se kennan do net mittn auf da Stroßn steh!" "Entschuldigung, wo soll ich sonst stehen, wir haben einen halben Meter Schnee?" "Goar nirgendst sollns steh. Warum wachelns denn mit de Händ? Is wos passiert?" "Passiert? Nein..." antwortet der Mann, immer noch am Fahrbahnrand stehend, "Ich hab nur gesehen, dass der Bus nicht anhält, und da hab ich mich bemerkbar gemacht!" "Des is jo goa ka Holtestöll." "Äh, doch!" - er weist auf das Haltestellen-Schild, das aus dem Tiefschnee ragt. "Wo wollns hin?" Der Busfahrer geht mit keinem Wort auf seinen Irrtum ein. "St.Pölten Hauptbahnhof. Die Haltestelle ist nicht geräumt, wissen sie, drum bin ich am Straßenrand gestanden!" sagt der Mann, während er einsteigt. "Drei Zehn. Glaubn se, wegn an Tog raman mir den Schnee weg? Morgn is de Haltestöll eh wieder woanders." Der Fahrgast legt Drei Euro Fünfzig auf die Ablage des Münzen-Speichers. Missmutig drückt der Fahrer vier mal auf den Hebel des 10-Cent-Abteils. Der Fahrgast wartet auf das Ticket. "Nau do! Nehman miassns ihr Koartn scho sölba!" grantelt ihn der Fahrer an und weist auf das Gerät, das 25 Zentimeter neben dem Lenkrad montiert ist. Der Fahrgast zieht die Fahrkarte aus der Maschine, bedankt sich höflich und geht nach hinten.

"Koarl? Jo, bin scho wieder bei dir. Oiso i waß net wos los is, heite zohln olle mit an grossn Göld, i hob boid ka Klangöld mehr zum aussagebn. Wo bistn grod? Spratzern? Ollas kloar. Heast du huast gaunz schen, bist verkühlt? Ja, na daunn foahr ham und leg di ins Bett! Du kummst jo eh mitn Bus bei dein Haus vorbei. Host vül Foahgäst? Ah, bis Trasn san eh olle ausgstiegen. Und wann no aner drinnen sitzt, der kaunn eh mitn Zug weiterfoarn. Des hob i friara a immer gmocht. Do hob i in Wagram gwohnt und mei Tour is immer bei mein Haus vorbeigaungan. Do bin i daunn immer stehnblieben, waunn Abendessenszeit wor. Waunn nu wer drinnengsessn is, hob i hoit gsogt: gehts, ihr sads eh jung, die fünfhundert Meter kennts eh zfuaß gehn. Olle sans brav ausgstiegn! Woart, i foah grod in Ganzndurf in die Haltestöll, do wüll ana aussteign."

Der Bus hält, die hintere Türe öffnet sich pneumatisch, aber der junge Bursche, der aufgestanden war und jetzt vor der Tür steht, macht keine Anstalten, die Stufen hinunter zu steigen. "Nau? Wüülst net aussteign?" "Nein, bei der nächsten!" antwortet der Jugendliche schüchtern. Jetzt ist der Hans aber richtig zornig. "Hearst, du kaunnst di doch net zur Tür stelln, waunnst goar net aussteigen wüllst!" "Ich hab ja gar nicht gedrückt!" antwortet der Gemaßregelte. "Na, heit sans olle deppert," redet der Fahrer wieder mit seinem Kollegen weiter, während er sich wieder in den Verkehr einreiht, "du, i bin glei in St.Geurgn, bleib kurz stehn, waun ma si begegnen, i hob wos für di. "

Kurz darauf begegnen sich die beiden Postbusse, genau auf der Höhe der nächsten Haltestelle. Die beiden Fahrer bringen ihre Fahrzeuge so zum Stehen, dass die Seitenfenster gegenüberliegen und kurbeln die Scheiben herunter. Von hinten hört man den jungen Burschen: "Darf ich jetzt aussteigen bitte?" Hans greift unter seinen Sitz und holt von dort ein Päckchen hervor. Er reicht es seinem Kollegen durch die geöffneten Fenster. "Kaunnst des, waunnst zur Dienststöll zruck kummst, in Dschango gebn?" "Wos is denn do leicht drinn?" fragt der andere Fahrer. "I hob ka Auhnung, des hot ma da Sepp gebm, weul a ka Zeit ghobt hot, dass ers eam sölba gibt. I glaub, es is vom Saubrigl Fritz." Von hinten hört man wieder den Jugendlichen: "Entschuldigung, könnten Sie bitte die Tür aufmachen?" Der Andere Fahrer schüttelt den Kopf: "Owa i kumm heit vielleicht nimmer in die Dienststöll, kaunst es eam net auf sein Spind legen?" "Na, daunn fladerns es vielleicht, i muass eam schon sölba gebn, owa der kummt erst um holba Fünfe eine, do bin i scho weg." Inzwischen versuchen einige Fahrzeuge in den Kolonnen, die sich hinter den beiden Bussen gebildet haben, durch Hupen auf sich aufmerksam zu machen. Der Bursch, indessen, ist nach vor zum Chauffeur gekommen: "Entschuldigung, darf ich bitte hier aussteigen?" "Nau guat," sagt der Fahrer des anderen Busses, "i gibs dem Wurzinger Willi, der foahrt die nächste Tour eine, murgn in der Fruah. I glaub, du solltast weidafoahrn, de san scho a wengal nervös hinter dir!"

Der Hans dreht sich um, um die Verkehrslage hinter seinem Fahrzeug abzuschätzen, dann fährt er los und sagt zum Karl, jetzt wieder über die Freisprech-Einrichtung seines Telefons: "De solln se net so aufpudln!" Neben ihm steht der verzweifelte Jugendliche: "Hallo, ich hätte hier aussteigen müssen, hören Sie mich nicht?" "Kaunnst net lesen?" fährt ihn der Fahrer an und weist auf das Schild, auf dem steht: Während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen! "Aber ich muss aussteigen!" "Siachst net, was da für ein Verkehr is? Bei de Autokolonnen is es vül zu gefährlich, wann i di do aussteigen loss, waun do wos passiert kum i in Häfn, steig bei da nächsten aus." Entmutigt geht der Bursch nach hinten. "Auweh! du, Koarl, bei der nächstn Holtstöll stengan mindestens fünf Leit, und ane mit an Kindawogn. Mir bleibt a nix derspoart!"

Die Frau fährt mit ihrem Kinderwagen zur hinteren Türe des Busses, wo der Jugendliche gerade aussteigt. Ohne zu zögern packt er zu und hievt, gemeinsam mit der Mutter, den Wagen über die zwei Stufen in das eineinhalb Meter höher liegende Wageninnere. Während dieser Prozedur, die aufgrund der Konstruktion des Einstiegs, die noch aus der guten alten Zeit stammt, als man mit Kinderwägen oder Rollstühlen noch nicht im Bus fahren durfte, etwas langwierig ist, haben die restlichen Einsteigenden ihre Fahrkarten gekauft, also schließt der Hans die Türen und fährt wieder los. "Hallo!" schreit der Bursch nach vorn. Vergeblich.

"Koarl? Jo, i sog da's! A so a Türkin mit ihrn Baungat is grod eingstiegn, wos se de do autuan, mitn Kindawogn im Bus foahrn, eigentlich sollt des verbotn sein. I waß net, warum de net mitn Auto foahrn. Eigentlich solltn olle mitn Auto foahrn. Oda wenigstens mitn Zug. Ollerweul host des Gscher mit die Foahrgäst. Wanns noch mir gangat, i lossat gor kan mitn Bus foahrn. Waßt, wos wir daunn fir a sölige Ruah hättn auf da Streckn? Wos sogst, Koarl? Du bist bei da Ersatz-Holtestöll in Wülhelmsburg vorbeigfoahrn? Jo, i hätts a scho glei übersegn, wengan Schnee. Wos wor? Ana is auf da Strossn gstaundn und hot mit de Händ gwachelt? Des wor sicher der Depperte, der mit mir zweit gfohrn is. Sölba Schuld. Wos muass er a unbedingt mitn Autobus foahrn. Koarl, i sog da's: des kaunn si ka Mensch vustölln, wos wir fir an Stress haum!"

Sonntag, 8. Februar 2009

plene crassus, vetere!

Manchmal muss man lange warten, bis man wieder unterhaltsame Dialoge aus den Weiten des Internets zu lesen bekommt.



Das Standard-Forum ist ja auch nicht gerade ein Schatzkästlein des Sprachwitzes - und doch stößt man, ganz selten, auf humorsprühende Passagen wie diese. Das erste Posting war als Reaktion auf einen typischen Standard-Wissenschaft-Besserwisser-Poster entstanden (er hatte die anderen User als Dumpfbacken beschimpft, obwohl er selbst physikalischen Unsinn geschrieben hatte, den ein Unterstufenschüler als solchen erkennen konnte).

Klicke auf das Bild, um den Text lesen zu können!

Hier ist ein Link zur Seite auf derstandard.at