Sonntag, 22. Februar 2009

Bushaltestelle

Hansl Hinterhausleitner, genannt "HaHa" lenkt seinen Postbus durch die trostlose Winterlandschaft des Traisentals. Vor sich, auf einer Halterung befindet sich sein Mobiltelefon, auf dem er jetzt die Nummer seines Arbeitskollegen wählt.

"Servas Koarl!" schreit er in seine Freisprecheinrichtung, die er am Ohr trägt, "Na, i bin eh in da Oabeit, i foah grod die Trasen-Tour, weu da Gustl heit ka Zeit hot. Foahst du a grod? Jo? A, do wean mia si eh daunn in Sankt Geurgn begegnan. Na, is eh net vül los um die Zeit, i hob nua zwa Foahrgäst. Waunn i mi tummelt, bin i um Viere drinn. Is eh gscheita, wanns schnölla weitergeht, waßt, wann i vur da Zeit bei da Haltestöll vorbeifoa, stengan no net so vül Leit duart. Nua die, wos si scho a Viertlstund vorher in die Költn stölln, haha! I bin froh, dass i nimmer in der Fruah foahr, waßt eh, de gaunzn Schüler! Mochn an murds Lärm und mit die gaunzn Schultaschen is ka Plotz zum duachegeh, do muasst daunn immer umadumplärrn, und eana a Watschn aundrohn, dass a Ruah is, des hoss i. - Hoit, jetzt bin i bei ana Haltestöll vuabeigfoahrn, wo ana gwort' hätt. Najo, in ana Stund kummt eh da nächste Bus. Woart amoi, do schreit grod ana von de Foahrgäst, i muaß amoi schaun, wos der wüll!"

HH dreht sich um und raunzt dem Fahrgast in unnachahmlicher Busfahrer-Manier zu: "Wooos?" Der Fahrgast ruft nervös: "Aussteigen bitte!" "Daunn hättns drucken miassn" "Hab ich!" antwortet der Mann und zeigt auf die Anzeige, auf der groß und deutlich "Wagen hält" zu lesen ist. "Nau, jetzt is' jedenfolls zschpät, i kaunn se jo net mittn auf da Bundesstraßn aussteign lassn!" Hansl widmet sich wieder seinem Gesprächspartner: "A so a Depperter. Wo woarn ma? A jo, bei de Schüler. Waßt, i bin friara immer die Schüler-Tour gfoarn, do san immer zwa Busse hinteranaund gfoahrn, und kana wollt der erschte in Wülhelmsburg sein, weu do san immer a gaunza Haufn eingstiegen. Lauta Gymnasiastn und so - waßt eh, de wo se de Eltern fia wos bessas hoidn. Hahaha! I hobs meistns gschofft, dass i ois zweiter kumm, weu dann hot da erschte olle einsteign lossn miassn, und i bin mitn leeren Bus vuabeigfoan, des woa a Gspaß! Woart, Koarl, i muass amoil stehnbleibm, sunst motschkert der wieder, dass er aussteign wüll."

Der Fahrgast hat sich inzwischen nach vorne begeben und steht jetzt neben dem Fahrer. "Darf ich vorne aussteigen?" fragt er höflich. "Naaa, hintn is der Ausstieg." "Aber es steigt doch hier niemand ein?" "Hintn hob i gsogt!" Leise fluchend geht der Mann nach hinten und verlässt den Bus. "Jo, Koarl, bist nu do? Na, des woa der Depperte von vurher. Zerscht net drucken und daunn frech werdn. I sog da 's: Leit gibts. Mia san scho gstroft ois Bus-Schofför. Aum liabstn foar i jo in da Nocht. Oiso mitn letztn Bus um holba Achte. Von Sankt Pöttn eine noch Göblasbruck. Do san de Leit scho miad und mochn kane Spompernadln mehr. Meistns sitzt eh kana mehr drinn ob Sankt Geurgen. Aussa, er is eingschlofn, haha! Des is oiweu a Hetz, wann der aufwocht. I waß goa net wie die daunn hamkumman, geht jo erscht wieder um Sechse in da Fruah der Erschte Bus zruck! Hoit! Wos isn des jetzt? Achso, do is a Umleitung wegn de Noarn! Wos sogst? Jo, Noarn! Heit is Foschingsaumstog, do gibts in Wülhelmsburg immer den Umzug, des haßt i foa heit net durch die Stadt, sondern auf der Umfohrung weita. Sche bled, jetzt haums die Haltestöll erst vor Kurzem verlegt, heite haums es wieder weiter-verlegt. De Leit miassn se scho verorscht vurkumman, haha! I stöll mia grod vur wie ana von ana Holtestöll zur nächsten geht und überall pickt a Zettl wo draufsteht: Haltestelle verlegt. Des is wia a Schnitzljogt. Najo, jedenfolls kumman die Leit auf die Oart net rechtzeitig zur Ersatz-Holtestöll und i brauch niemaundn einsteign lossn. He! bist deppat, do steht ana mittn auf da Strossn und wachelt mit de Händ, is der wo aungrennt?"

Der Chauffeur bremst den Bus scharf, und öffnet gleichzeitig die Tür. "Hean se!" ruft er dem Mann zu, der sich anschickt in den Bus zu steigen, "Wos wolln se do?" "Einsteigen?" antwortet der gefragte. "Se kennan do net mittn auf da Stroßn steh!" "Entschuldigung, wo soll ich sonst stehen, wir haben einen halben Meter Schnee?" "Goar nirgendst sollns steh. Warum wachelns denn mit de Händ? Is wos passiert?" "Passiert? Nein..." antwortet der Mann, immer noch am Fahrbahnrand stehend, "Ich hab nur gesehen, dass der Bus nicht anhält, und da hab ich mich bemerkbar gemacht!" "Des is jo goa ka Holtestöll." "Äh, doch!" - er weist auf das Haltestellen-Schild, das aus dem Tiefschnee ragt. "Wo wollns hin?" Der Busfahrer geht mit keinem Wort auf seinen Irrtum ein. "St.Pölten Hauptbahnhof. Die Haltestelle ist nicht geräumt, wissen sie, drum bin ich am Straßenrand gestanden!" sagt der Mann, während er einsteigt. "Drei Zehn. Glaubn se, wegn an Tog raman mir den Schnee weg? Morgn is de Haltestöll eh wieder woanders." Der Fahrgast legt Drei Euro Fünfzig auf die Ablage des Münzen-Speichers. Missmutig drückt der Fahrer vier mal auf den Hebel des 10-Cent-Abteils. Der Fahrgast wartet auf das Ticket. "Nau do! Nehman miassns ihr Koartn scho sölba!" grantelt ihn der Fahrer an und weist auf das Gerät, das 25 Zentimeter neben dem Lenkrad montiert ist. Der Fahrgast zieht die Fahrkarte aus der Maschine, bedankt sich höflich und geht nach hinten.

"Koarl? Jo, bin scho wieder bei dir. Oiso i waß net wos los is, heite zohln olle mit an grossn Göld, i hob boid ka Klangöld mehr zum aussagebn. Wo bistn grod? Spratzern? Ollas kloar. Heast du huast gaunz schen, bist verkühlt? Ja, na daunn foahr ham und leg di ins Bett! Du kummst jo eh mitn Bus bei dein Haus vorbei. Host vül Foahgäst? Ah, bis Trasn san eh olle ausgstiegen. Und wann no aner drinnen sitzt, der kaunn eh mitn Zug weiterfoarn. Des hob i friara a immer gmocht. Do hob i in Wagram gwohnt und mei Tour is immer bei mein Haus vorbeigaungan. Do bin i daunn immer stehnblieben, waunn Abendessenszeit wor. Waunn nu wer drinnengsessn is, hob i hoit gsogt: gehts, ihr sads eh jung, die fünfhundert Meter kennts eh zfuaß gehn. Olle sans brav ausgstiegn! Woart, i foah grod in Ganzndurf in die Haltestöll, do wüll ana aussteign."

Der Bus hält, die hintere Türe öffnet sich pneumatisch, aber der junge Bursche, der aufgestanden war und jetzt vor der Tür steht, macht keine Anstalten, die Stufen hinunter zu steigen. "Nau? Wüülst net aussteign?" "Nein, bei der nächsten!" antwortet der Jugendliche schüchtern. Jetzt ist der Hans aber richtig zornig. "Hearst, du kaunnst di doch net zur Tür stelln, waunnst goar net aussteigen wüllst!" "Ich hab ja gar nicht gedrückt!" antwortet der Gemaßregelte. "Na, heit sans olle deppert," redet der Fahrer wieder mit seinem Kollegen weiter, während er sich wieder in den Verkehr einreiht, "du, i bin glei in St.Geurgn, bleib kurz stehn, waun ma si begegnen, i hob wos für di. "

Kurz darauf begegnen sich die beiden Postbusse, genau auf der Höhe der nächsten Haltestelle. Die beiden Fahrer bringen ihre Fahrzeuge so zum Stehen, dass die Seitenfenster gegenüberliegen und kurbeln die Scheiben herunter. Von hinten hört man den jungen Burschen: "Darf ich jetzt aussteigen bitte?" Hans greift unter seinen Sitz und holt von dort ein Päckchen hervor. Er reicht es seinem Kollegen durch die geöffneten Fenster. "Kaunnst des, waunnst zur Dienststöll zruck kummst, in Dschango gebn?" "Wos is denn do leicht drinn?" fragt der andere Fahrer. "I hob ka Auhnung, des hot ma da Sepp gebm, weul a ka Zeit ghobt hot, dass ers eam sölba gibt. I glaub, es is vom Saubrigl Fritz." Von hinten hört man wieder den Jugendlichen: "Entschuldigung, könnten Sie bitte die Tür aufmachen?" Der Andere Fahrer schüttelt den Kopf: "Owa i kumm heit vielleicht nimmer in die Dienststöll, kaunst es eam net auf sein Spind legen?" "Na, daunn fladerns es vielleicht, i muass eam schon sölba gebn, owa der kummt erst um holba Fünfe eine, do bin i scho weg." Inzwischen versuchen einige Fahrzeuge in den Kolonnen, die sich hinter den beiden Bussen gebildet haben, durch Hupen auf sich aufmerksam zu machen. Der Bursch, indessen, ist nach vor zum Chauffeur gekommen: "Entschuldigung, darf ich bitte hier aussteigen?" "Nau guat," sagt der Fahrer des anderen Busses, "i gibs dem Wurzinger Willi, der foahrt die nächste Tour eine, murgn in der Fruah. I glaub, du solltast weidafoahrn, de san scho a wengal nervös hinter dir!"

Der Hans dreht sich um, um die Verkehrslage hinter seinem Fahrzeug abzuschätzen, dann fährt er los und sagt zum Karl, jetzt wieder über die Freisprech-Einrichtung seines Telefons: "De solln se net so aufpudln!" Neben ihm steht der verzweifelte Jugendliche: "Hallo, ich hätte hier aussteigen müssen, hören Sie mich nicht?" "Kaunnst net lesen?" fährt ihn der Fahrer an und weist auf das Schild, auf dem steht: Während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen! "Aber ich muss aussteigen!" "Siachst net, was da für ein Verkehr is? Bei de Autokolonnen is es vül zu gefährlich, wann i di do aussteigen loss, waun do wos passiert kum i in Häfn, steig bei da nächsten aus." Entmutigt geht der Bursch nach hinten. "Auweh! du, Koarl, bei der nächstn Holtstöll stengan mindestens fünf Leit, und ane mit an Kindawogn. Mir bleibt a nix derspoart!"

Die Frau fährt mit ihrem Kinderwagen zur hinteren Türe des Busses, wo der Jugendliche gerade aussteigt. Ohne zu zögern packt er zu und hievt, gemeinsam mit der Mutter, den Wagen über die zwei Stufen in das eineinhalb Meter höher liegende Wageninnere. Während dieser Prozedur, die aufgrund der Konstruktion des Einstiegs, die noch aus der guten alten Zeit stammt, als man mit Kinderwägen oder Rollstühlen noch nicht im Bus fahren durfte, etwas langwierig ist, haben die restlichen Einsteigenden ihre Fahrkarten gekauft, also schließt der Hans die Türen und fährt wieder los. "Hallo!" schreit der Bursch nach vorn. Vergeblich.

"Koarl? Jo, i sog da's! A so a Türkin mit ihrn Baungat is grod eingstiegn, wos se de do autuan, mitn Kindawogn im Bus foahrn, eigentlich sollt des verbotn sein. I waß net, warum de net mitn Auto foahrn. Eigentlich solltn olle mitn Auto foahrn. Oda wenigstens mitn Zug. Ollerweul host des Gscher mit die Foahrgäst. Wanns noch mir gangat, i lossat gor kan mitn Bus foahrn. Waßt, wos wir daunn fir a sölige Ruah hättn auf da Streckn? Wos sogst, Koarl? Du bist bei da Ersatz-Holtestöll in Wülhelmsburg vorbeigfoahrn? Jo, i hätts a scho glei übersegn, wengan Schnee. Wos wor? Ana is auf da Strossn gstaundn und hot mit de Händ gwachelt? Des wor sicher der Depperte, der mit mir zweit gfohrn is. Sölba Schuld. Wos muass er a unbedingt mitn Autobus foahrn. Koarl, i sog da's: des kaunn si ka Mensch vustölln, wos wir fir an Stress haum!"

Sonntag, 8. Februar 2009

plene crassus, vetere!

Manchmal muss man lange warten, bis man wieder unterhaltsame Dialoge aus den Weiten des Internets zu lesen bekommt.



Das Standard-Forum ist ja auch nicht gerade ein Schatzkästlein des Sprachwitzes - und doch stößt man, ganz selten, auf humorsprühende Passagen wie diese. Das erste Posting war als Reaktion auf einen typischen Standard-Wissenschaft-Besserwisser-Poster entstanden (er hatte die anderen User als Dumpfbacken beschimpft, obwohl er selbst physikalischen Unsinn geschrieben hatte, den ein Unterstufenschüler als solchen erkennen konnte).

Klicke auf das Bild, um den Text lesen zu können!

Hier ist ein Link zur Seite auf derstandard.at

Montag, 26. Januar 2009

Gedanken zum Darwin-Jahr

vor 200 Jahren wurde Charles Darwin geboren, vor 150 Jahren veröffentlichte er sein entscheidendes Werk On the Origin of Species.

Und dennoch, will es scheinen, kann sich seine Theorie nicht endgültig durchsetzen, bekommt sie Konkurrenz – wissenschaftliche Konkurrenz – in Form von „Intelligent Design“.

Zuerst einmal: ich kann alle beruhigen, die Angst haben, sie hätten in der Schule umsonst Evolutionstheorie gebüffelt. Die Evolutionstheorie bekommt keine Konkurrenz. Denn alles, was in letzter Zeit unter dem Titel „Kreationismus“ und „Intelligent Design“ geschrieben wird, ist keine wissenschaftliche Gegentheorie, es ist schlicht eine sehr genau geplante Einführung einer Kontroverse, um fundamentalistisch-christliches Gedankengut in die Gesellschaft einzuschleusen (betrieben ausschließlich von Mitgliedern der Konservativen Denk-Fabrik Discovery Institute in Seattle).

Dass die Kontroverse geplant, Streit gewollt ist, war spätestens 2005 klar, als auch von offizieller Seite die Authentizität des sogenannte Wedge-Documentes bestätigt wurde, in dem die kurz- und langfristigen Ziele der Intelligent-Design-Bewegung dargelegt wurden.

Um auch der geneigten Laiin und dem geneigten Laien darzustellen, dass hier kein ebenbürtiger Konkurrent in den Ring steigt, möchte ich kurz umreißen, worum es bei dem provozierten Konflikt geht:

Darwinismus

Ismen sind natürlich prinzipiell zu hinterfragen, schreibt ja sogar Wikipedia:

Das Suffix -ismus (...) ist ein Mittel zur Wortbildung durch Ableitung (Derivation). Das entstandene Wort bezeichnet ein Abstraktum, oft ein Glaubenssystem, eine Lehre, eine Ideologie oder eine geistige Strömung in Geschichte, Wissenschaft oder Kunst.

Deshalb sollten wir lieber den synonymen Begriff Darwinsche Evolutionstheorie verwenden, denn darum geht es: um eine wissenschaftliche Theorie, die die Gesetzmäßigkeiten beschreibt, nach denen sich biologische Systeme von Generation zu Generation verändern.

Die Prinzipien sind relativ einfach, und es sind genau 3:

1. Reproduktion/Vererbung: Eine Anzahl von Einheiten müssen fähig sein, Kopien von sich selbst anzufertigen, die ebenfalls reproduktionsfähig sind und Eigenschaften erben. Dabei werden verschiedene Variationen rekombiniert.

2. Variation: Es muss eine Bandbreite von verschiedenen Merkmalen in der Population der Einheiten gegeben sein. Es muss einen Mechanismus geben, der neue Variationen in die Population einführt (zum Beispiel durch ungenaue Replikation).

3. Selektion: Vererbte Merkmale müssen (auf längere Sicht gesehen) die Reproduktionsfähigkeit der Einheiten beeinflussen, entweder durch Überlebensfähigkeit (natürliche Selektion) oder die Fähigkeit, für die Reproduktion notwendige Partner zu finden (sexuelle Selektion).

Und das war’s. Allein mit diesen drei Prinzipien lässt sich praktisch alles, was uns vor das Biologen-Auge (oder dessen Seziertisch) kommt, erklären. Mehr noch, der Genetiker und Evolutionsbiologe Theodosius Dobzhansky ging sogar so weit, zu sagen: „Nichts in der Biologie ergibt einen Sinn außer im Licht der Evolution.“

die berühmte Fehlübersetzung

Dass Darwins Evolutionstheorie im deutschen Sprachraum in ein schiefes Licht geraten ist, hat hauptsächlich zwei Gründe. Erstens: Der englische Satz „Survival of the fittest“ (fit=angepasst) wurde entweder peinlicherweise oder in vollem Bewusstsein falsch übersetzt: es heißt nicht Überleben des Stärksten. Zweitens: Besonders die Vertreter des Sozialdarwinismus, welchen man als vorsätzliche Dummheit bezeichnen muss, haben diese Fehlübersetzung nur zu gerne in ihre Rassenidiotie übernommen.

Merkmale einer wissenschaftlichen Theorie

Als wissenschaftliche Theorie muss die Evolutionstheorie, so wie alle anderen Theorien auch, bestimmte Kriterien erfüllen:

  • Konsistenz (innere und äußere Widerspruchsfreiheit)
  • Sparsamkeit (sparsam in den vorgeschlagenen Strukturen oder Erklärungen, siehe Ockhams Rasiermesser)
  • Nützlichkeit (beschreibt und erklärt beobachtbare Phänomene)
  • Empirische Prüfbarkeit und Falsifizierbarkeit (siehe Falsifizierbarkeit)
  • Begründung auf vielen Beobachtungen, oft in der Form kontrollierter, wiederholbarer Experimente.
  • Korrigierbarkeit und Dynamik (wird geändert, wenn neue Daten entdeckt werden)
  • Progressivität (ist besser als vorhandene Theorien)
  • Vorläufigkeit (macht das Zugeständnis, dass sie nicht richtig sein könnte, statt Sicherheit vorzugeben)

Neo-Kreationismus / Intelligent Design

Der Name Intelligent Design statt Neo-Kreationismus wird erst verwendet, seit der Supreme Court der Vereinigten Staaten im Fall Edwards v. Aguillard (1987) entschied, dass der Kreationismus im Lehrplan von öffentlichen Schulen verfassungswidrig sei. Beide Ausdrücke bezeichnen die Ansicht, wonach es wissenschaftlich nicht haltbar sei, dass Komplexität, wie sie uns bei Lebewesen entgegentritt, rein naturalistisch, ohne Einbeziehung eines intelligenten Schöpfers, entstanden sein kann.

Hauptargumente für ID sind dabei immer einzelne Beispiele aus der Biologie, bei denen die Wissenschaft noch nicht alle Details klären konnte. Werden die Zusammenhänge dann klarer, zieht sich ID von diesen Beispielen zurück auf andere. Man hat daher den Gott der Kreationisten als „Lückenbüßer-Gott“ bezeichnet, der immer dann herhalten muss, wenn die Wissenschaft (noch) keine genauen Erkenntnisse hat. Dass diese traurigen Gottesbeweise wohl nicht im Sinne selbstbewusster Christen sein können, versteht sich von selbst.

Dass ID mehr von einer Ideologie als von einer Theorie hat, lässt sich auch an einem strukturellen Grundproblem erkennen: Zwar wird Kausalität zur Erklärung herangezogen: Komplexe Strukturen haben ihren Ursprung in einem intelligenten Schöpfer; dieser wird aber nicht weiter erläutert. Sich auf ein Etwas zu berufen, das nicht weiter erklärt wird, um den Ursprung von etwas anderem (den Menschen selbst) zu erklären, ist aber nicht viel mehr als ein Zirkelschluss und die neue Frage, die von der Erklärung aufgeworfen wird, ist so problematisch wie die Frage, welche die Erklärung beantworten soll.

Wenn wir die Aussagen des IDs Punkt für Punkt an den zuvor vorgestellten Kriterien für wissenschaftliche Theorien messen, stellen wir fest, dass es keinen einzigen Punkt erfüllt. In Wahrheit kann man die Kernaussagen der Vertreter des ID auf einen Satz reduzieren: „Ich verstehe nicht, wie die Evolution funktioniert, also muss sie falsch sein.“ Wir haben es also hierbei mit einer Mischung aus Denkfaulheit und Arroganz zu tun, nicht mehr. Ebenso könnte man Gründe anführen, warum die Erde flach sein muss, oder dass es keine dem Auge unsichtbaren Strahlen gibt.


Fazit

Es gibt keine Kontroverse Darwinismus-Kreationismus. Es ist allein das Ziel einer bestimmten Gruppe rund um die Mitarbeiter des Discovery Institute, es so erscheinen zu lassen.


Weiterführende Links und Quellen:

Charles Darwin auf Wikipedia

Understanding Evolution (Universität Berkeley)

Beitrag auf Oe1 (österreichischer Rundfunk)

Beiträge zum Thema Evolution auf Zeit Online

Leserfragen zur Evolution auf Wissen.de

Intelligent Design auf Wikipedia

das Discovery Institute auf Wikipedia


Samstag, 24. Januar 2009

Der Palolowurm

Wer mich kennt, kennt auch die Geschichte vom Palolowurm. Jenen, die sie noch nicht gehört haben, sei sie hier noch einmal kurz erzählt.

Im Jahre 1847 wurde erstmals ein Tier beschrieben, von dem man nur den Hintern kannte.

Erst 1898 wurde erstmals sein Vorderkörper gefunden.

Palola viridis

Nun ist es nicht etwa so, dass dieses Tier so selten ist, ganz im Gegenteil! Vor den Inseln Polynesiens lebt, versteckt im Hartsubstrat des Meeresbodens, in großer Zahl der Palolowurm Palola viridis. Es handelt sich dabei um einen Vertreter der Klasse der Ringelwürmer, zu der auch unser alter Bekannter, der Regenwurm zählt. Der Samoa-Palolo wird 70cm lang (wenn er seinen Hinterleib noch hat) und ernährt sich von Algen und Korallen. So lebt er das ganze Jahr hindurch ein unscheinbares Leben und kommt gerade mal während der Dämmerung kurz aus seinen selbstgegrabenen Gängen hervor. Bis zu jenem Tag.

Genau am dritten Tag nach dem dritten Mondviertel im Oktober trennen sich die Würmer von ihren Hinterleibern. Das hat natürlich, wie immer bei so drastischen Einschnitten, sexuelle Gründe: die Hinterleiber rudern in eleganten spiraligen Bahnen an die Meeresoberfläche, wo sie explodieren und Eizellen bzw Spermien freigeben, welche sich selbstredend verbinden, wieder an den Meeresboden absinken und dort zu Trochophora-Larven heranreifen, der typischen Larvenform der Polychaeten.

Das erstaunliche an der Sache ist nun, dass alle Würmer besagtes Erlebnis exakt zur selben Zeit haben: sie alle, das heißt, die Hinterleiber (Epitoke) kommen zur selben Zeit an die Meeresoberfläche und bilden dort eine Meterdicke Schicht! Die Eingeborenen der Inseln haben natürlich nicht verabsäumt, täglich den Mond zu beobachten, um dieses Ereignis nicht zu verpassen: jetzt rudern, waten, schwimmen sie hinaus, schöpfen die eiweißreiche Ernte mit großen Körben und feiern das Palolofest: Mblalolo lailai. Die Würmer werden auf Bananenblättern gedünstet, gebraten, gekocht, roh gegessen, wie auch immer, der Palolo ist eine Delikatesse.

Montag, 5. Januar 2009

Wir bauen uns ein Spektroskop

Ich habe geschrieben:

Der Mensch kann mit unbewaffnetem Auge nicht feststellen, ob eine Lichtquelle ein Linienspektrum oder ein kontinuierliches Spektrum besitzt.

Das stimmt auch, aber zumindest leicht bewaffnet geht’s. Es gibt da einen ebenso simplen wie einfachen Trick: wir nehmen unser Spektroskop. Doch, doch, wir haben eins! Meist sogar viele davon. Die nennt man auch Compact Discs. Diese Scheiben haben ja, wie wir alle wissen, eine Rille (nicht zwei, so wie eine Schallplatte). Entlang dieser etwa 6km langen Spur liest der Laser die Musik oder die Diplomarbeit oder die Pornovideos aus. Die benachbarten Bereiche dieser Spirale sind etwa 1,6µm voneinander entfernt. Das ist eine Größenordnung, die schon der Wellenlänge des Lichts nahe kommt: Das Rot des Lasers, der eine CD ausliest, hat eine Wellenlänge von 0,78µm. Die enge Spirale wirkt also auf das auftreffende weiße Licht wie ein Regenbogen-Hologramm: Durch Interferenz-Erscheinungen werden bestimmte Wellenlängen verstärkt, andere ausgelöscht. Welche das sind, steht in einem direkten Zusammenhang mit dem Einfallswinkel bzw. Blickwinkel. Daher erscheint jede Lichtquelle, die sich in einer CD spiegelt, als ausgedehntes Spektrum – voila!

Jetzt können wir auch unterscheiden, ob das Licht einer Lampe ein kontinuierliches Spektrum besitzt, oder ein Linienspektrum:

  
hier spiegelt sich ein Halogen-Spot      ...und hier eine Energiesparlampe.

Jeder ist nun zu eigenem Experimentieren aufgerufen: Wer noch immer glaubt, mit einem gelben Lampenschirm könne man aus einer Energiesparlampe eine Glühlampe machen, möge dies mit dem CD-Spektroskop überprüfen: aus einem Linienspektrum wird nun mal kein kontinuierliches, auch wenn noch so viele Filter davor sind. Filter können nur Farben wegnehmen und keine dazuerfinden. Ebenso könnte man versuchen, aus einem Sieb unten mehr Mehl heraus zu bekommen, als man oben hinein schüttet.


(Dieser Post ist ein Update zu: Glühlampen-Verbot)

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Die Telekom fährt Bahn


Im Grasgrünen Telekom-Lack fährt seit kurzem eine Taurus-Lok der ÖBB über die heimischen Schienen, und eine Aufschrift verkündet:
"Internet 1. Klasse".
Da haben sich die Werbetexter aber ein tolles Wortspiel ausgedacht.
Erste Klasse im Zug? Also: teuer, weniger Leute aber genauso schnell wie mit der zweiten Klasse!
Aber das war wohl nicht gemeint.
Es soll wohl heißen: die beste Klasse die es gibt. Aber Moment: Die ÖBB haben doch eben erst ihren Railjet vorgestellt, und mit ihm die neue "Premium Class". Das Telekom-Internet ist also "nur" erste Klasse. Aber das wahr wohl auch nicht gemeint. Sei's wie es sei: Ich surfe weiter in der 2.Klasse und hoffe, dass es bald freies WLAN in jedem Zug gibt - ob Telekom oder nicht.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Glühlampen-Verbot

Zwei Dinge sind unendlich: Die menschliche Dummheit und das Weltall. Bei letzterem bin ich mir allerdings nicht so sicher (Albert Einstein)

Wie recht er doch hatte! Die EU hat also beschlossen, in sechs Stufen bis 2016 den Rest licht-biologisch gesunden Kunstlichts abzuschaffen. Anscheinend müssen durch die Nichtraucher-Kampagnen frei werdende Kapazitäten in unserem Gesundheitssystem wieder gefüllt werden.

Zunächst einmal zur Klarstellung, da darüber nur ungenaue Meldungen kolportiert werden: alle "matten" Glühlampen dürfen ab 2009 nicht mehr verkauft werden, alle "klaren" sollen bis 2016 vom Markt verschwinden (siehe das zugehörige technical briefing der EU). Als Ersatz für die matten Glühbirnen wird eindeutig die "Kompaktleuchtstofflampe" favorisiert. Die klaren Lampen sollen vorerst durch Halogenlampen ersetzt werden, später sollen auch die (weniger effizienten) Halogenlampen verschwinden.

Um den Menschen den Umstieg zu erleichtern (was ja eigentlich nicht notwendig ist, wenn es keine Alternative gibt) wird ihnen erklärt, dass
  1. das Licht der guten LSL genau so schön wie das der bösen Glühbirnen ist,
  2. dass wir alle so und so viele Terawattstunden Strom sparen, und
  3. dass die Ökobilanz der guten Energiesparlampen um sovieles besser ist als die der bösen Glühlampen.
Zum Punkt 1:

Sichtbares Licht besteht aus elektromagnetischen Wellen, das weiß eh schon jedes Kind. Weniger bekannt ist aber, dass die Zusammensetzung von Licht, also der Mix aus verschiedenen Wellenlängen bei verschiedenen Leuchtmitteln sehr unterschiedlich sein kann. Zunächst muss man wissen, dass sogenanntes weißes Licht eine Mischung aus allen möglichen "Farben" ist, lediglich unser Auge (genauer: das Sehsystem) "mischt" sie zu Weiß oder zu einer anderen Farbe. Wenn man eine weiße Fläche am Computer-Monitor mit einer guten Lupe betrachtet, wird man sehen, dass da nur rote, grüne und blaue Punkte sind. Allein aus drei Farben lassen sich also (nahezu) alle anderen mischen. Ebenso gibt es Leuchtmittel, die nicht alle Farben des Spektrums verwenden, um Weiß zu erzeugen (die also kein kontinuierliches Spektrum wie die Sonne und die Glühlampe besitzen), sondern nur einige wenige daraus benutzen. Die Leuchtstofflampe ist so ein Leuchtmittel (siehe untenstehende Grafik von General Electrics):

Äpfel:


Birnen:


Der Mensch kann mit unbewaffnetem Auge nicht feststellen, ob eine Lichtquelle ein Linienspektrum oder ein kontinuierliches Spektrum besitzt. Wenn man direkt in die Lampe oder auf eine beleuchtete weiße Fläche schaut, ist es durchaus möglich, dass die Sparlampe sich nicht von einer Glühlampe unterscheiden lässt. Die Welt besteht aber nicht aus weißen Flächen. Gegenstände reflektieren bestimmte Wellenlängen und schlucken andere. Die Mischung der zurückgestrahlten Frequenzen ergibt dann die Grundlage für die Farbe, die das Gehirn sieht. (Welche Farbe das genau ist, ist sehr schwierig zu bezeichnen, denn das hängt von vielen Faktoren, wie Kontrasten, Wissen über den Gegenstand usw., ab) Diese Farben "stimmen" bei einer Sparlampe einfach nicht, und viele Menschen empfinden das Licht als "trostlos". Dass das auf Dauer psychische Auswirkungen hat, liegt auf der Hand.

Selbsverständlich gibt es keine "richtigen" Farben, die ein Gegenstand besitzt, aber es gibt eine Ausgewogenheit, die wir gewohnt sind, weil wir uns Millionen Jahre lang daran angepasst haben.

Abgesehen von der verfälschten Farbwiedergabe durch eine Lampe mit einem Spektrum wie oben links abgebildet, haben verschiedene Spektralfarben eine biologische Wirkung auf den Menschen, indem sie Zirbeldrüse und Hypophyse anregen, Hormone zu produzieren oder diese Produktion hemmen. Heute verbringen wir sehr viel Zeit bei künstlichem Licht. Leider gibt es kaum Untersuchungen, wie sich die Langzeit-Bestrahlung mit einer unnatürlichen Quecksilberlampe auswirkt. Es ist zwar unseriös, ohne solche Studien einen Zusammenhang zwischen dem schon lange an den Arbeitsplätzen verwendeten Leuchtstoffröhren-Licht und bestimmten Zivilisationserkrankungen (die auch ihre Ursache im Hormonungleichgewicht haben können) herzustellen, aber auffällig ist die Zunahme solcher Leiden allemal.

Anstatt unser Geld in Medikamente, Wellness-Artikel und Seminare zum Stressabbau zu stecken, könnten wir es ja auch dazu verwenden, einfach das bisschen mehr an Strom zu bezahlen, das eine Glühlampe braucht, um die wohltuende und Wirkung eines kontinuierlichen Spektrums mit weniger Blau-Anteil zu verbreiten.

Zum Punkt 2:

Sparlampen sparen wirklich Strom, das ist unbestritten. Interessanterweise ist die Einsparung selbst bei Halbierung der Lebensdauer und Verdopplung der Wattzahl (Leider ist eine 11W-Sparlampe nicht genau so hell wie eine 60W-Glühbirne, obwohl es auf der Verpackung steht) bei Sparlampen immer noch sehr hoch - Auf Wikipedia gibt es eine nette Rechnung:

Anschaffungskosten + Stromverbrauch x Strompreis = Gesamtkosten

(15 x 1,95€) + (60W x 15000h x 0,20€/kWh) = 209,25€

(1 x 9,22€) + (11W x 15000h x 0,20€/kWh = 42,22€

Einsparpotential = 167,03€

Wenn wir als Lebensdauer 7000 Stunden annehmen und 21W statt 11W nehmen, sieht die Rechnung so aus:

(7 x 1,95€) + (60W x 7000h x 0,20€/kWh) = 97,65 bzw.:

(1 x 10,90€) + (21W x 7000h x 0,20€/kWh) =40,30

Einsparpotential = 57,35 das sind in den urspr. 15 Jahren: 122,89€

Wieviel vom Gesamtstromverbrauch das allerdings ist, lässt sich schwer abschätzen: die Angaben für den Anteil der Beleuchtung am Stromverbrauch im Haushalt gehen sehr weit auseinander: Zahlen von 1% bis 20% werden genannt. Wesentlich höher ist der Anteil der Energiekosten für Heizung, Kochen, Warmwasser, Aircondition etc. Hat irgendwer jemals davon gehört, dass Heizlüfter und Elektroherde verboten werden sollen? Die wandeln nämlich nur maximal 25% der Primärenergie in Wärme um, während es bei Erdgas bis 95% sind.

Leider kann man nie genau sagen, wie lange eine Energiesparlampe wirklich hält: Ich habe einmal drei Ikea-Sparlampen gekauft, die, parallel verwendet, nach einem Monat alle kaputt waren. Andererseits habe ich auch welche zuhause (Ja, auch ich verwende sie, wo sie sinnvoll sind!) die schon seit 10 Jahren ihren Dienst tun. Wenn die Streuung der individuellen Lebensdauern aber so groß ist, kann ich keine Einsparung ernsthaft kalkulieren.

Noch ein Punkt zur Lebensdauer von (Allgebrauchs-)Glühlampen: das sind genau 1000 Stunden. Warum? Nicht etwa aus physikalischen Gründen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen. Es gibt immer wieder Stimmen, die behaupten, die Industrie begrenze die Lebensdauer auf 1000 Stunden, um einen größeren Gewinn zu erzielen (siehe: Glühlampen-Kartell). Das mag stimmen, aber bei dem geringen Preis einer Glühlampe würde eine längere Lebensdauer überhaupt nicht zur Reduktion der Energiekosten beitragen: je länger man die Lebensdauer einstellt, desto mehr Strom braucht man für die gleiche Lichtleistung.

Eine weitere bedenkenswerte Tatsache sollte man aber auch nicht außer Acht lassen: Glühlampen tragen ja auch zur Erwärmung des Raumes bei (zumal man gerade im Winter die Raumbeleuchtung länger eingeschaltet hat), diese Energie muss man also anderweitig aufbringen. Noch dazu - so man einer britischen Studie glauben schenken darf - neigen Menschen dazu, von Sparlampen beleuchtete Räume stärker zu beheizen, da man diese psychologisch als kälter empfindet.

zu Punkt 3:

Dies ist der schwierigste Punkt in der Diskussion: Energiesparlampen brauchen mehr Energie bei der Produktion (in China, wo womöglich keine westlichen Umweltschutz-Standards eingehalten werden) als Glühlampen, enthalten giftige Stoffe (hauptsächlich Quecksilber und Flammschutzmittel auf der Platine) und man braucht wieder Energie um die Lampen zu entsorgen, bzw. zu recyclen.

Angeblich ist die Ökobilanz dennoch positiv, da bei der höheren Strom-Produktion für den Betrieb von Glühlampen mehr Quecksilber entsteht, als in Leuchtstofflampen enthalten ist.

Und das ist wahrlich ein merkwürdiges Argument, denn es funktioniert nur, solange der Strom aus schmutzigen Wärmekraftwerken kommt, und nur dann, wenn diese Kraftwerke aufgrund des Glühlampenverbots weniger Strom produzieren.

Falls nämlich - z.B. weil die Konsumenten vermehrt Öko-Strom-Anbieter in Anspruch nehmen, oder weniger Kohlekraftwerke arbeiten - der Quecksilber-Ausstoß sinkt, dann stimmt es nicht mehr, dass in LSL weniger Quecksilber enthalten ist - und die positive Ökobilanz ist futsch. Falls andererseits die schmutzigen Kraftwerke weiterhin genausoviel Quecksilber ausstoßen, weil der Stromverbrauch nicht sinkt, oder es nicht gelingt, die Entsorgungsquote zu erhöhen (es werden in Deutschland angeblich nur 5% der Sparlampen ordnungsgemäß entsorgt), hat die ganze Aktion nur zusätzliches Quecksilber in die Umwelt gebracht.


Die Sparlampen-Diskussion hat in den Medien und in den Internet-Foren leider eine Ideologische Dimension bekommen. Das ist sehr schade, denn Menschen, die aufgehört haben, Fakten abzuwägen und stattdessen die anderen als Klimaschädlinge, respektive als Eu-Jasager bezeichnen, nützen der Sache der Umwelt- und Gesundheitspolitik ungefähr so viel wie ein religiöser Fanatiker der Sache der Menschenrechte.



Links zum Thema:

Zeitschrift Ökotest - hat getestet und kommt zu einem katastrophalen Ergebnis
Lichtbiologie - Alexander Wunsch mit nicht unumstrittenen Theorien
Kommentar im Standard - Gedanken eines Lichtplaners zum Thema - samt Forum
Technical Briefing - der EU
Wikipedia-Artikel - Kompaktleuchtstofflampe